„Der Nachtgarten“ von Polly Horvath

Diese Rezension stammt ausnahmsweise mal nicht von mir, sondern von meiner Mutter, die das Buch „Der Nachtgarten vor kurzem beendet hat :-).

Das Buch „Der Nachtgarten“ von der bekannten Autorin Polly Horvath ist im Jahr 2018 als Hardcover erschienen. Als Altersgruppe ist ab 12 Jahren angegeben, aber, ähnlich wie bei den Harry Potter Büchern, ist es ein Buch, dass auch durchaus für ältere Leser lesenswert ist.

Zum Cover: Anlockend, weil ansprechend, ist das Cover gestaltet: Vorwiegend in Blautönen gehalten zeigt es eben den geheimnisvollen Nachtgarten, der von einem schmiedeeisernen Zaun umgeben ist. Lediglich große weiße Blüten werden vom Vollmond beleuchtet.

Klappentext:

Franny lebt mit ihren Pflegeeltern Sina und Tom in einem verfallenen Herrenhaus, zu dem auch der rätselhafte und stets verschlossene Nachtgarten gehört. Angeblich kann er jedem Menschen einen einzigen Wunsch erfüllen. Einmalig und unwiderruflich! Als eines Tages die Nachbarin Alice Hals über Kopf ihre drei Kinder bei ihnen ablädt, lässt die drohende Katastrophe nicht lang auf sich warten. Und mit einem Schlag stehen alle vor der Frage: Sollen sie die Zauberkräfte des Nachtgartens entfesseln oder ist der Preis dafür zu hoch?

Zum Inhalt:

Franny kam per Zufall zu den Pflegeeltern Sina und Old Tom. Eines Tages klingelte es nämlich an deren Tür und eine Mitarbeiterin der Adoptionsstelle stand dort mit einem kleinen Kind in einem Bündel auf dem Arm. Das Kind war für die Nachbarsfamilie bestimmt, übrigens neben Sinas und Toms Haus, das einzige in der Straße, doch dieses war vergangene Nacht vollständig ausgebrannt, leider inklusive des Ehepaares. Noch während die Mitarbeiterin Sina diesen Vorgang schilderte fiel sie um und erlag einem spontanen Herzschlag. Was nun? Die Adoptionsstelle hielt die Angelegenheit der Übergabe des Kindes für erledigt und stellte scheinbar keine Fragen, ob das Kind in der richtigen Familie gelandet sei und so kamen Sina und Tom unerwartet zu einem kleinen Mädchen. Franny wuchs mit den beiden etwas ungewöhnlichen Menschen glücklich heran.

Das Haus war, wie auch deren Bewohner, etwas altmodisch, aber liebenswert: Es hatte fast die Form einer Hochzeitstorte und oben befand sich ein Aussichtsturm, den Franny als Rückzugsort für zum Geschichtenschreiben nutzte. Wir befinden uns übrigens im Jahr 1945 an der kanadischen Küste. Nicht weit von Sina und Tom entfernt sind Soldaten stationiert, für den Fall, dass deutsche U-Boote die Küste erreichen könnten. Meist jedoch haben die Soldaten nichts zu tun, außer Poker zu spielen, und ab und zu den Strand zu kontrollieren. Sina ist eine Künstlerin, die aus Lehm große Skulpturen erschafft und Old Tom sorgt mit dem Pflanzen von Gemüse und Obst für eine weitere Einnahmequelle.

Das Haus befindet sich auf einem riesigen Grundstück, dem sich viele verschiedene Gärten anschließen: Der japanische, wie auch der Blumen- oder der Kräutergarten, um nur einige zu nennen. Der geheimnisvollste und zugleich verbotenste ist jedoch der Nachtgarten. Sein Name leitet sich davon ab, dass er nur nachts betreten wird und dort Blumen blühen, die nachts ihre offenen Kelche dem Vollmond entgegenstrecken.

Doch dieser Garten birgt ein großes Geheimnis: Wer dort drin ist, darf einen Wunsch äußern, der sich auch erfüllt. Allerdings ist darin auch eine Gefahr enthalten – jeder darf wirklich nur einen einzigen Wunsch für sich selbst äußern und dieser kann nicht rückgängig gemacht oder durch den Wunsch eines anderen verändert werden. Und weil dieser Wunsch damit so kostbar ist und durchaus lebensverändernd sein kann, ist die Eingangspforte stets gut verschlossen. Nicht einmal Old Tom wagt sich hinein, fürchtet er doch, seinen Wunsch versehentlich auszusenden, in dem er beispielsweise an ein köstliches Mittagessen denkt und damit seinen Wunsch verschwendet.

Nur ein einziger Mensch betritt den Garten, das ist der von allen so genannte Einsiedler. Ein ehemaliger Soldat, der aus den Wellen des Meeres gerettet wurde und scheinbar dabei das Gedächtnis verloren hat, jedenfalls erinnert er sich nur bruchstückhaft an Dinge und auch seine Konzentration ist von sehr geringer Qualität. Deshalb muss Tom auch nicht befürchten, dass der Einsiedler irgendeinen spontanen Wunsch äußern könnte.

Neben Franny, Sina, Tom und dem Einsiedler gibt es noch einige Mitbewohner der nächsten Ortschaft, zum Beispiel Mrs Bookman und deren Nichte Gladys, sowie Alice Madden, wegen ihrer Neigung zu langen Tränenausbrüchen Crying Alice genannt, deren Mann Bob Madden, der auf dem Fliegerstützpunkt als Wartungsmechaniker des neuen Aufklärungsflugzeugs Argot tätig ist und dessen Spitzname deshalb Flying Bob ist, sowie deren drei Kinder und – nicht zu vergessen, – Miss Macy, ein wenig skurril mit einer Neigung zu glitzernder Unterwäsche, die die Gruppe der Pfadfinderinnen leitet.

Die Geschichte nimmt ihren Anfang, als Crying Alice eines Tages in Tränen aufgelöst ihre drei Kinder bei Sina und Old Tom abgibt, weil sie befürchtet, dass ihr Mann, Flying Bob, eine große Dummheit begehen wird und sie unbedingt schnellstens zu ihm fahren muss. Deshalb soll Sina deren Kinder betreuen. Als gute Nachbarin sozusagen. Wenig begeistert sagt Sina zu und fragt dazu Mrs Bookman, ob deren Nichte Gladys als Köchin so lange bei ihnen einspringen könnte. Gladys entspricht einer Köchin insoweit, dass sie zwar kochen kann, aber selbst Suppe anbrennen lässt.

Dass das Zusammenleben von einem vorbeifliegenden Ufo, der Anschaffung eines rosa Bakelit Radios und geheimnisvollen Briefen, die Flying Bob an Zebediah, den jüngsten Sohn der Maddens schreibt eine aufregende Wendung nimmt und ob der Nachtgarten wirklich Wünsche erfüllen kann, lohnt sich beim Lesen herauszufinden.

Fazit:

Das Buch hat 334 Seiten, die in 20 Kapitel aufgeteilt sind. Die Seiten sind in großzügige Absätze aufgeteilt, der Schriftstil ist flüssig und gut lesbar. Der Stil ist leicht zu lesen, aber trotz der Altersempfehlung kommt auch bei mir als ältere Leserin kein Gefühl von Langeweile auf. Fängt man an, fällt es schwer, aufzuhören. Doch auch nach einer Lesepause ist man schnell wieder in der Handlung drin. Der Schreibstil ist durchaus humorvoll und besticht durch mehrere amüsante Mono- und Dialoge und macht neugierig auf den Fortgang der Geschichte.

Das Ende eines Kapitels bildet meist ein Cliffhänger, der in dem nachfolgenden Kapitel aufgelöst wird. Selten gibt es Zeitsprünge, überwiegend ist der Fortlauf chronologisch und zielführend. Die handelnden Personen sind begrenzt und so beschrieben, dass man eine gute Vorstellung von der betreffenden Person hat, die auch im weiteren Verlauf der Geschichte unverändert bleibt. Die Beschreibung der Umgebung gibt dem Leser einen guten Eindruck des Ortes, ohne langatmig oder überfordernd zu sein. Die Geschichte ist in sich abgeschlossen und lässt gleichzeitig dem Leser die Möglichkeit, sich eine eigene Fortsetzung zur Handlung zu überlegen.

Negativ – Achtung SPOILER:

Sina beschreibt gleich am Anfang der Geschichte, wie sie Augenzeugin eines vermeintlichen Ufos wird. Zwar erhält sie Besuch von der Raumfahrtbehörde, die ihre Aussage, „einen Meteor“ gesehen zu haben, anzweifelt und vermutet, Sina könnte mehr als das gesehen haben, was sie aber nicht zugeben möchte. Vermutlich hat man diesen Handlungsstrang eingeflochten, um die Spannung zu erzeugen, die den Schriftwechsel zwischen Flying Bob und seinem jüngsten Sohn betrifft. Die Geschichte mit dem Ufo findet nirgendwo später eine Fortsetzung und macht damit wenig Sinn.

Merkwürdigkeit – Achtung SPOILER:

Sina hat selbst einen Wunsch im Nachtgarten geäußert, noch vor der Ankunft Frannys. Sie erzählt aber am Ende der Geschichte davon, was ihr Wunsch gewesen ist. Gleichzeitig erzählt sie, dass ihr Mann, Old Tom, versucht hat, seinen Wunsch zu verwenden, um ihren Wunsch zu ändern. Was ja, so besagt die Geschichte des Nachtgartens, unmöglich ist. Die Frage ist allerdings, hat Old Tom damit seinen Wunsch nicht gleichzeitig verwirkt oder zählt das als „nicht eingelöst“? Denn am Höhepunkt der Handlung äußert Tom wieder einen Wunsch, der dieses Mal auch Erfüllung findet. Ob ein nicht erfüllter Wunsch ein zweites Mal geäußert werden darf, ergibt sich nicht wirklich aus der Handlung, lässt aber die Frage offen.

Auch die letzten Seite des Buches ergeben wenig Sinn und sind nur ein paar gestelzte philosophische Betrachtungen, die die Handlung aber nicht benötigt und sich zudem in sich unnötig wiederholt.

Zusammenfassend ein tolles Buch, welches sich sehr gut lesen lässt und eine Handlung beinhaltet, die immer wieder überraschende Wendungen bereithält, schlüssig erzählt wird und zum Lesen einlädt. Die Autorin schreibt generationsübergreifend und so würde ich die Altersgruppe „ab 12-15“ Jahren bis „nach oben hin offen“ angeben. Ein gewisses geschichtliches Grundwissen sollte vorhanden sein, da die Handlung, wie erwähnt, um 1945 spielt und zum Ende des zweiten Weltkrieges in Kanada stattfindet. Zum besseren Verständnis (keine Mobiltelefone, kein Internet, etc.) ist demzufolge ein gewisses Alter von Vorteil.

Preis: 7,20 €

Seiten: 336

ISBN: 978-3848921096

Verlag: Aladin Verlag

Felicity

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